Evangelisch-Lutherisches Kirchspiel Dresden Süd
Kirchgemeinde Prohlis  

 

Ukraine: Informationen aus der Landeskirche Sachsen

Treppe Weinberg

Nun ist der Herbst da.
Mit dem Jahr geht es bergab. Es geht Stufe für Stufe treppab in Richtung Spätherbst und Winter. Der Zenit des Jahres ist lange überschritten, die Sommerhitze nur noch eine Erinnerung, Gipfelerlebnisse verblassen. Die Blätter der Weinstöcke verfärben sich schon gelb, die dunklen Trauben wollen geerntet werden. Wir hoffen noch auf einen goldenen Oktober, doch dann kommen die dunklen Tage und Feiertage, Buß- und Bettag, der Ewigkeitssonntag. Wie werden diese Tage sein mit all unseren schweren Erinnerungen, mit Corona, mit Ukrainekrieg und vielleicht eher kühlen Wohnungen? Befürchtungen machen sich breit.
Die Treppe führt bergab und doch auch bergauf, je nachdem wie man steht, welche Perspektive man wählt. Die Spitzhaustreppe, die auf dem Foto zu sehen ist, wird auch Himmelstreppe genannt. Beim Spitzhaustreppenlauf ist das Ziel ein wahres Gipfelerlebnis: Wer innerhalb von 24 Stunden die Treppe 100 mal rauf- und runtergelaufen ist, hat einen Doppelmarathon hinter sich und gleichzeitig mit 8848 überwundenen Höhenmetern den Mount Everest bestiegen.
Der biblische Jakob hat weniger schweißtreibend die Himmelsleiter auf der Flucht vor seinem Bruder Esau nur geschaut (Gen. 28,12 ff). Sie reichte mit der Spitze in den Himmel und Engel stiegen auf ihr hinauf und hinab. Gott verspricht Jakob Land, Nachkommen und Begleitung: Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst. Der Evangelist Johannes bezieht dieses Bild auf Jesus: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn (Joh. 1,51) und die Kirchenväter deuteten die Himmelsleiter als Treppe zum Paradies.
Die Engel flattern nicht im Himmel herum, sie steigen hinauf und hinab, die Boten Gottes gehen mit uns hinunter in die dunkleren Tage. Und wenn wir die Perspektive wechseln auf der Treppe, dann wendet sich der Blick automatisch weg von der Tiefe, von uns selbst und unseren Füßen hinauf in die Weite des Himmels. Und Gott spricht: Ich will dich behüten, wo du hinziehst. Und Jesus gibt uns die Verheißung: Ich werdet den Himmel offen sehen.
Vielleicht ist es Zeit für einen Perspektivwechsel.
Ich grüße Sie herzlich,
Ihre Pfarrerin Bettina Reinköster

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