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Liebe Gemeinde! "Zu Pfingsten sind die Geschenke am geringsten.", sagt der
Volksmund. Zum Ausdruck kommt damit auch die Hilflosigkeit im Umgang mit diesem
dritten großen christlichen Hauptfest. Und das mit gewissem Recht! In der
Abfolge des Kirchenjahres ist Pfingsten lediglich der Abschluss des
Osterfestkreises. Ein Inhalt des Osterfestes wird zu Pfingsten besonders
herausgestellt und gefeiert: Der Lebensgeist des auferstandenen Jesus geht auf
seine Jünger über. Deshalb gilt Pfingsten als das "Fest der Ausgießung des
Heiligen Geistes". Die Ostererzählungen im Johannes-Evangelium
lassen erkennen, dass der Geistempfang der Jünger kein von der Auferstehung Jesu
abgesetztes Geschehen darstellt: "Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche
... kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit
euch! ... Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das
gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen
Geist! " (Johannes 20, 19-22). In der Apostelgeschichte (Kp.2) erzählt Lukas
vom Geistempfang am "50. Tag". Dieser 50. Tag nach dem Passa wurde im Judentum
als das sog. "Wochenfest" gefeiert (ursprünglich der festliche Abschluss der
Weizenernte). So lässt Lukas erkennen, wie die ersten Christen jüdische
Festtermine übernahmen, jedoch mit eigenen Inhalten füllten. Da wird nun der
österliche Impuls der Geistbegabung der Jünger an diesem Tag besonders
hervorgehoben. Wie Jesus nach seiner Taufe, vom Geist beflügelt, seine
Wirksamkeit beginnt, so treten jetzt die Jünger öffentlich auf und bekennen sich
zu ihrem gekreuzigten und auferstandenen Herrn. In der Folge wurde Pfingsten
als weiterer bevorzugter Tauftermin nach der Osternacht wahrgenommen. Auch das
gibt Lukas zu erkennen, wenn er symbolisch von 3.000 Getauften "an diesem Tag"
redet (wobei die erstaunliche Zahl vor allem das Erstaunen des Lukas
dokumentiert). Nicht als historisches Datum, sondern als Folge der
Auferstehung Jesu wird darum Pfingsten gern auch als "Geburtstag der Kirche"
erklärt. Das ist Geschenk genug und Jahr um Jahr Anlass zum Feiern!
Ihr Pfarrer Christoph Schneider

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